Freitag, 25. März 2016

Rezension "A Study in Charlotte" von Brittany Cavallaro

(c)Goodreads
Rezension
A Study in Charlotte
von Brittany Cavallaro

Katherine Tegan Books
ASINB00Z74LWWY
eBook mit ca. 336 Seiten
Sprache: Englisch
Genre: Young Adult, Mystery/Krimi
Preis: ca. 6,80 €

Reihe: Charlotte Holmes #1
1. A Study in Charlotte
2. - noch kein Titel und ET -
3. - noch kein Titel und ET -






Inhalt
The last thing Jamie Watson wants is a rugby scholarship to Sherringford, a Connecticut prep school just an hour away from his estranged father. But that’s not the only complication: Sherringford is also home to Charlotte Holmes, the famous detective’s great-great-great-granddaughter, who has inherited not only Sherlock's genius but also his volatile temperament. From everything Jamie has heard about Charlotte, it seems safer to admire her from afar.

From the moment they meet, there’s a tense energy between them, and they seem more destined to be rivals than anything else. But when a Sherringford student dies under suspicious circumstances, ripped straight from the most terrifying of the Sherlock Holmes stories, Jamie can no longer afford to keep his distance. Jamie and Charlotte are being framed for murder, and only Charlotte can clear their names. But danger is mounting and nowhere is safe—and the only people they can trust are each other. (c)Goodreads


Meine Meinung
Für Sherlock Holmes-Geschichten bin ich in der Regel immer zu haben. Ich liebe die Filme mit Robert Downey Jr. und ich finde die Serie mit Benedict Cumberbatch genial. Das ich aber von einem Jugendbuch über die jugendlichen Nachfahren von Holmes und Watson so begeistert sein würde - zumal mal wieder im Klischeeumfeld eines Internats mit all seinen (unnötigen) Teenie-Dramen -, hätte ich nicht vermutet.

A Study in Charlotte hatte alles, was ein gutes Buch braucht. Am faszinierendsten waren natürlich - wie es in Sherlock-Adaptionen oft der Fall ist - die Charaktere. Die weibliche Version von Sherlock Holmes ist ein Geniestreich. Charlotte ist mindestens ebenso verschroben wie ihr männliches Pendant, und dabei trotzdem von der ersten Seite an liebenswert. Sie ist genauso von Logik und Verstand getrieben, achtet genauso wenig auf sich und ihren Körper und ist ähnlich unsozial. Und trotzdem scheint immer wieder ein Silberstreif Gefühl durch ihre Fassade, was die Geschichte so wahnsinnig interessant und Charlotte als Figur trotz aller Marotten echt macht.

"I couldn't tell you what was in her head. I couldn't even guess. But I was beginning to realize I liked that, the not knowing. I could trust her despite it." (Position 1459)

Ebenso spannend war Jamie Watson. Auch er verkörpert die Rolle, die man vom Original-Watson gewohnt ist und trotzdem füllt er sie auf eigene Weise aus. Es dauert gar nicht lange, dann ist Holmes genauso auf ihn angewiesen wie umgekehrt. Gegen Ende sind sich die beiden bereits so nahe, dass Jamie oftmals ihr einziger Fels in der Brandung ist. Und Watson erfüllt diese Rolle ganz selbstverständlich und beinahe unbewusst. Während der Leser bereits deutlich merkt, dass er tatsächlich zu Charlottes wichtigstem Vertrauten geworden ist, hält er sich noch immer für unbedeutend. Im Laufe der Geschichte wird Watson zu einem immer besseren Beobachter, was insgesamt mehr Einsicht in die Geschehnisse und in Charlotte mit sich bringt. Das ist auch gut so, denn die Autorin hat traditionell Watson zum Erzähler der Abenteuer gemacht. Ich war von Beginn an sehr angetan, geradezu gefesselt, vom Erzählstil der Geschichte. Watson ist ein charmanter, witziger und kluger Erzähler, der der Geschichte erst richtig das Gefühl des Besonderen und leicht Skurrilen vermittelt. Die genutzten Vergleiche und Arten der Beschreibung (oft überraschend tiefsinnig und im nächsten Moment doch wieder humorvoll) heben A Study in Charlotte vom Durchschnitt der übrigen YA-Internats-Mystery ab.

Nicht zuletzt war auch der zu lösende Kriminalfall extrem gut ausgearbeitet, durchdacht und dabei bis zum Schluss verwirrend - wie man es von einer Sherlock-Geschichte natürlich erwartet. Cavallaro traut sich recht viel, obwohl es sich um ein YA-Buch handelt. Es kommt niemals Langeweile auf, da immer wieder sehr krasse Ereignisse folgen, die auf clevere Weise Rückbezüge auf die Original-Sherlockgeschichten von Doyle darstellen.
Trotzdem hat für mich der zwischenmenschliche Teil der Geschichte den größten Leseanreiz geboten. Mit Abstand am faszinierendsten ist es zu beobachten, wie Jamie langsam aber sicher näher an Charlotte herankommt, sie und ihre Gewohnheiten kennenlernt, mit ihr umzugehen lernt. Er versucht nicht, ihr die Marotten auszutreiben, stattdessen akzeptiert er sie und passt auf Charlotte auf. Allein dadurch hat er sofort die Sympathie des Lesers.


Fazit
Watson und Holmes haben die zentralen Eigenschaften ihrer Vorbilder geerbt, beziehungsweise hat die Autorin sich sehr stark an ihre "Vorlage" gehalten. Mich hat das fasziniert, denn sie schafft es trotzdem, Charlotte und Jamie ins 21. Jahrhundert zu holen und interessante und liebenswerte Charaktere aus ihnen zu machen. Dazu kam die mitreißende Erzählweise und der wirklich spannungs- und actiongelandene Fall. Ich war schon lange von keinem Jugendbuch mehr so begeistert!

5 von 5 Buchwelten

(c)Goodreads
Soweit ich entsprechend der Leseprobe sagen kann, ist die deutsche Übersetzung sehr gut gemacht. Charme und Witz der Erzählweise kommen ebenso gut an, wie im Original-Ton. Außerdem ist das deutsche Cover - wenn man mich fragt -, trotz dieser grässlichen pinken Schrift noch schicker als das englische Gegenstück. Einziger Wermutstropfen: der für deutsche YA typische hohe Preis. Trotzdem möchte ich die Übersetzung all jenen ans Herz legen, die nicht so gerne in fremdsprachlicher Lektüre schmökern!

Neugierig geworden?
Mehr zu "A Study in Charlotte" auf: GoodreadsAmazonWebsite der Autorin
Mehr zur deutschen Übersetzung "Holmes & Ich" auf: Goodreads, Amazon, Website des Verlages

Kommentare:

  1. Huhu! ^.^
    Ich habe die deutsche Übersetzung gelesen und fand das Buch ehrlich gesagt eher mittelmäßig. Das fand ich wirklich schade, da ich die Idee sehr spannend fand. :/ Aber ich möchte die Reihe trotzdem weiterlesen und werde hoffentlich in Band 2 etwas mehr überzeugt. (:

    Tolle Rezension!
    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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    1. Ich habe eine ganze Menge Rezensionen gelesen, die das genauso sehen wie du. Deswegen war ich auch eigentlich nicht der Meinung, dieses Buch lesen zu müssen. Dann landete auf der Buchmesse die Leseprobe zur Übersetzung in meiner Tasche und ich hab sie aus reiner Neugier angelesen... und konnte nicht mehr aufhören. Keine Ahnung, aber die Sache hat mich gepackt wie ein tollwütiger Hund. Ich war wohl einfach in der absolut genau richtigen Stimmung für die Geschichte und das freut mich einfach *lach*. Vielleicht bin ich dann von Band 2 auch ernüchtert... (was ich mal nicht hoffen möchte!).

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